MVP- Minimum Valuable Product in der Softwareentwicklung

Lean Startup (mvp) – eine Idee bzw. Prinzip für Startups

Das Lean Startup Prinzip ist eine, vor allem im Bereich der Software-Entwicklung, beliebte Methode, ein Produkt schnell und mit vergleichsweise geringem Aufwand auf den Markt zu bringen, um so die Nachfrage und Marktfähigkeit des Produkts grundlegend zu testen.

Das Ziel

Durch das Lean Startup Prinzip soll vermieden werden, dass ein Unternehmen viel Zeit und vor allem Geld in die Entwicklung eines Produktes steckt, für das sich nach der Fertigstellung Niemand interessiert.

Das Ziel ist also, eine Produktidee in möglichst kurzer Zeit, mit minimalem Risiko, überschaubaren Mitteln und auf Basis von empirischen Erhebungen zu verwirklichen bzw. einzustellen.

Das MVP

Anders als beim traditionellen Innovationsprozess wird dabei das Feedback der Nutzer nicht erst am Ende des Entwicklungsprozesses eingeholt, sondern sobald das sogenannte „Minimal Viable Product (MVP)“  (übersetzt: „minimal überlebensfähiges Produkt“) entstanden ist. Dieses MVP besitzt somit die grundlegenden Eigenschaften und Kernfunktionen des Produktes, um es der Kritik der Nutzerschaft aussetzen zu können.

Auf diese Weise kann bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt gemessen werden, ob ein ausreichender Bedarf für das Produkt am Markt besteht und ob dadurch ein Nutzen für den Kunden gegeben ist. Die Bereitschaft, für das Produkt zu bezahlen, ist ein Faktor, der äußerst wichtig ist und vorhanden sein muss. Darüber hinaus ist es möglich, sein eigenes Produkt im direkten Vergleich mit den Produkten der Wettbewerber einschätzen zu können.

Die Phasen des Lean Startup Prinzips

Beim Lean Startup Prinzip wird der Innovationsprozess in folgende Phasen eingeteilt:

  1. Entwickeln eines Minimal Viable Products auf Basis einer Idee (Build)
  2. Markteintritt, um das Feedback der Zielgruppe einzuholen und zu messen (Measure)
  3. Reflektieren und Lernen aus den Ergebnissen (Learn)

Im Anschluss beginnt diese Abfolge von vorne, wodurch sich das Produkt nach und nach immer mehr in die richtige Richtung entwickeln wird. Würde man in der Lern-Phase zu dem Ergebnis kommen, dass das Produkt nicht angenommen wird, so kann man frühzeitig und mit überschaubarem Verlust entscheiden, die Weiterentwicklung einzustellen und sich stattdessen neuen Geschäftsideen widmen.

Wie entstand die Idee dahinter?

Entwickelt wurde die Idee des Lean Startups durch Eric Ries, einem Entrepreneur aus dem berühmten Silcon Valley, der als Autor inzwischen bereits zwei Bücher zu dem Thema verfasst hat.

In der digitalen Wirtschaft gibt es viele prominente Player, die alle auf Basis des Lean Startup Prinzips erfolgreich wurden. Hier ein Beispiel:

Drew Houston, der Gründer und CEO von Dropbox, dem äußerst erfolgreichen Cloud Storage Dienst, verschwor sich beispielsweise direkt nach Bekanntwerden dem Prinzip, verkürzte die Entwicklungszyklen seiner Softwareanwendung und holte konsequent Feedback der Nutzer ein. Wichtig war hierbei der offene Umgang mit der Bezeichnung „Betaphase“ der Software. Dies suggerierte dem Nutzer transparent, dass die Software sich noch in einem unfertigen Stadium befindet, wodurch Fehler keiner Rechtfertigung bedurften. Mittlerweile nutzen mehrere hundert Millionen Nutzer den Dienst, das Unternehmen ist erfolgreich an der Börse vertreten.

Was mache ich, wenn ich kein Startup bin?

Nicht nur Startups können nach dem Prinzip verfahren. Gerade für traditionelle Unternehmen bietet es eine hervorragende Chance, aus eingefahrenen Mustern auszubrechen und neue Produkte erfolgreich auf den Markt zu bringen. Dabei ist Scheitern bereits Teil des Plans und wird den Produktverantwortlichen nicht übel genommen. Vielmehr ist man nachher erleichtert, dass verlorene Zeit und Geld sich im Rahmen halten.

Was benötige ich, um das Prinzip anzuwenden?

Um die Methode durchgängig anwenden zu können, sind ein paar grundlegende Bausteine notwendig:

Zunächst einmal bedarf es natürlich einer Produktidee. Sofern einem selbst keine Entwickler zur Verfügung stehen, so kommt an dieser Stelle ein Partner oder Dienstleister ins Spiel, der in der Softwareentwicklung eine agile Vorgehensweise lebt.

SCRUM oder Kanban sind oft genutzte Methoden, um Minimal Viable Products in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden zu erstellen. Hierbei verzichtet man bewusst auf ein umfassendes Konzept zu Beginn der Umsetzung, sondern orientiert sich an sogenannten „User Stories“. Die User Stories beschreiben in jeweils ein bis zwei kurzen Sätzen, was der Nutzer einer Funktion von dieser erwartet.

Gepaart mit visuellen Entwürfen, sogenannten „Drafts“ oder „Mockups“, entsteht aus der Idee relativ schnell ein Prototyp, den man bereits für die Feedback-Phase verwenden kann. Damit die Zielgruppe überhaupt von diesem Prototypen erfahren kann, benötigt man ein Marketing-Instrument. In vielen Fällen reicht hier eine kleine Landingpage im Internet aus, die neben dem Produktnamen die Kernfunktionen und den Nutzen des Produktes widerspiegelt. Landingpages können entweder auf Basis von Baukastensystemen, als statische Websites oder mit Content Management Systemen à la WordPress umgesetzt werden – die Kosten sind in jedem Fall überschaubar.

Um Feedback einholen und messen zu können, nutzt man im Idealfall Umfragen. Auch hier existieren fertige Tools oder Plugins am Markt, die sehr schnell und einfach ausgerollt werden können. Ein bekanntes Tool ist zum Beispiel SurveyMonkey. Wichtig ist, dass man zu Beginn der Tests bestimmte Hypothesen aufstellt, gegen die das Feedback dann geprüft werden kann. Die evaluierten Erkenntnisse können nun direkt in die nächste Entwicklungsphase einfließen. Diese Schleife kann beliebig oft wiederholt werden, bis sich aus dem Prototypen letztlich ein erfolgreiches Produkt am Markt entwickelt hat.

Die Vorteile

Neben der kostengünstigen und risikoarmen Entwicklung von Produkten ist ein weiterer Vorteil, dass man potenzielle Marktlücken sehr frühzeitig aufspüren und der Konkurrenz damit einen Schritt voraus sein kann.

Darüber hinaus erkennt man zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Entwicklungsprozess, ob der engagierte Software Dienstleister genügend Kompetenz mitbringt, um das Produkt den Vorstellungen entsprechend zu entwickeln. Das Umsatteln auf einen anderen Partner ist in diesem Prozess also jederzeit möglich, da keine Werkverträge oder ähnliches geschlossen werden müssen.

Ein letzter, ebenfalls nicht zu unterschätzender Punkt, ist die Tatsache, dass man durch das Lean Startup Prinzip die wichtigen Early Adopter, also die frühzeitigen Anwender, praktisch automatisch für sein Produkt gewinnen kann. Sie sind es, die sich aufgrund ihres Naturells aus freien Stücken dazu bereit erklären, Produkte in der Betaphase zu testen. Sie können für den späteren Erfolg eines Produkts also einer der wichtigsten Faktoren werden, da die breite Masse gewillt ist ihnen zu folgen.

Haben Sie Fragen oder benötigen Hilfe bei diesem Thema? Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren. Wir helfen Ihnen gern weiter.

Ansprechpartner: Ute Seelig oder Martin Stoll